{"id":2364,"date":"2018-07-02T20:38:01","date_gmt":"2018-07-02T18:38:01","guid":{"rendered":"https:\/\/lonews.de\/?p=2364"},"modified":"2018-07-02T20:38:57","modified_gmt":"2018-07-02T18:38:57","slug":"kreativbeitrag-aus-dem-projektkurs-geschichte-jean-monnet-vater-und-architekt-der-europaeischen-einigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/2018\/07\/02\/kreativbeitrag-aus-dem-projektkurs-geschichte-jean-monnet-vater-und-architekt-der-europaeischen-einigung\/","title":{"rendered":"Kreativbeitrag aus dem Projektkurs Geschichte Q1"},"content":{"rendered":"<p>Jean Monnet &#8211; Vater und Architekt der Europ\u00e4ischen Einigung?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Interviewer:<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Jean Monnet, ich begr\u00fc\u00dfe Sie recht herzlich. Sie sind in Cognac, einer Gegend in Frankreich, aufgewachsen. Erz\u00e4hlen Sie doch etwas von ihrer Kindheit dort. Wie war sie?<\/p>\n<p><strong>Jean Monnet:\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0 Wie Sie schon sagen, bin ich in Cognac aufgewachsen, in einer Region im Westen von Frankreich. Dort wurde ich auch am 9. November 1888 unter dem Namen Jean Omer Marie Gabriel Monnet geboren. Der ist f\u00fcr die Gesch\u00e4ftswelt und Politik allerdings ein bisschen zu lang, weshalb ich einfach nur Jean Monnet bevorzuge.<\/p>\n<p><strong>Interviewer:\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gut, dann bleiben wir auch dabei. Ihr Vater war ein Cognacgro\u00dfh\u00e4ndler. Sie wurden ja sogar praktisch in eine Cognac- und auch Weinhandeldynastie hineingeboren. Sind Sie dadurch schon fr\u00fch mit der Gesch\u00e4fts- und Finanzwelt in Ber\u00fchrung gekommen?<\/p>\n<p><strong>Jean Monnet:<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0 Ja, das kann man durchaus so sagen. Durch meinen Vater, der mich fr\u00fch in unser Familienunternehmen eingebunden hat, habe ich diese Welt entdecken k\u00f6nnen. Daf\u00fcr bin ich ihm sehr dankbar, denn so konnte ich herausfinden, was ich sp\u00e4ter einmal machen m\u00f6chte.<\/p>\n<p><strong>Interviewer:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0 Sie sagten, Sie wurden fr\u00fch miteingebunden. Stimmt es, dass Sie die Schule abgebrochen haben?<\/p>\n<p><strong>Jean Monnet:<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0 Ja, das stimmt. Mit 16 Jahren habe ich die Schule verlassen und meinem Vater in der Firma geholfen. Das bereue ich auch nicht.<\/p>\n<p><strong>Interviewer:\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sie sind dann viel f\u00fcr die Firmengesch\u00e4fte in der Welt herumgereist. Wo waren Sie denn \u00fcberall?<\/p>\n<p><strong>Jean Monnet:<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0 So genau wei\u00df ich das schon gar nicht mehr. Ich habe n\u00e4mlich zwischen den Jahren 1906 und 1914 zahlreiche Reisen ins Ausland unternommen. Ich war mehrmals in England und den USA und au\u00dferdem auch in Polen und China.<\/p>\n<p><strong>Interviewer:\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0 Und dann kam der Krieg.<\/p>\n<p><strong>Jean Monnet:\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong> Ja. Ich war 26 Jahre alt und kam gerade von einer Reise aus Kanada zur\u00fcck nach Hause, als ich von der Generalmobilmachung erfuhr. Gl\u00fccklicherweise musste ich nicht k\u00e4mpfen. W\u00e4hrend des Krieges war ich stattdessen in London, um an der Errichtung und dem Ausbau interalliierter Stellen zur Vereinheitlichung der Versorgung und des Transportwesens mitzuarbeiten. Nach dem Krieg wurde ich dann stellvertretender Generalsekret\u00e4r des neu gegr\u00fcndeten V\u00f6lkerbundes, was ich bis 1923 auch blieb.<\/p>\n<p><strong>Interviewer:\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0 Und schon dort zeigte sich ihr Streben nach Frieden und politischer Stabilit\u00e4t in Europa?<\/p>\n<p><strong>Jean Monnet:\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0 Richtig. Mir war schon damals bewusst, dass Europa ein stabiles politisches und wirtschaftliches System braucht. Daf\u00fcr gr\u00fcndete ich dann auch Komitees, die sich mit der wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklung des V\u00f6lkerbundes besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p><strong>Interviewer:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0 1923 bis 1939 zogen Sie sich dann etwas zur\u00fcck. Warum?<\/p>\n<p>Jean Monnet:\u00a0\u00a0\u00a0 Ein pers\u00f6nlicher Schicksalsschlag. Mein Vater starb und ich musste zur\u00fcckkommen, um die Firma wieder aufzubauen, die in Schwierigkeiten geraten war. In dieser Zeit zog ich mich deshalb auf Beratert\u00e4tigkeiten zur\u00fcck. Trotzdem war ich im Ausland, habe in Polen und Rum\u00e4nien geholfen die W\u00e4hrungen zu stabilisieren und habe auch bei der Gr\u00fcndung einer Bank in San Franzisco mitgewirkt.<\/p>\n<p><strong>Interviewer:<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und 1934 haben Sie dann auch noch ihr privates Gl\u00fcck gefunden.<\/p>\n<p><strong>Jean Monnet:\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0 Mein geliebte Ehefrau Silvia de Bondini. Sie ist Malerin wissen Sie. Mit ihr zusammen habe ich zwei wunderbare T\u00f6chter. Meine Frau und meine beiden M\u00e4dchen sind mein gr\u00f6\u00dfter Stolz.<\/p>\n<p><strong>Interviewer:\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das glaube ich ihnen sofort. Ihr Gl\u00fcck wurde aber schon wieder gest\u00f6rt.<\/p>\n<p>Jean Monnet:\u00a0\u00a0\u00a0 Ja, leider. Der Zweite Weltkrieg kam und ich wurde in geheimer Mission in die USA geschickt um Kampfflugzeuge und Kriegsmaterial f\u00fcr die franz\u00f6sische Regierung zu kaufen. Zus\u00e4tzlich stand ich auch an der Spitze eines Komitees, welches f\u00fcr die kriegswirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Gro\u00dfbritannien und Frankreich zust\u00e4ndig war.<\/p>\n<p><strong>Interviewer:\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Hier zeigte sich dann auch ihre Idee von einer besseren und st\u00e4rkeren Zusammenarbeit zwischen den europ\u00e4ischen Staaten.<\/p>\n<p><strong>Jean Monnet:\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0 Ich setzte mich daf\u00fcr ein, dass das Komitee zu einer politischen Union erweitert wird. Dieser Vorschlag scheiterte aber.<\/p>\n<p><strong>Interviewer:\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1943 nahmen Sie dann an der provisorischen Regierung der franz\u00f6sischen Republik in Algier teil.<\/p>\n<p><strong>Jean Monnet:\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0 In der Tat, das habe ich. Es war allerdings ehr ein Exil als sonst irgendetwas. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte ich dann aber wieder zur\u00fcck und \u00fcbernahm die Leitung des neu eingerichteten Planungsamtes in Frankreich, was ein Programm zur Modernisierung der franz\u00f6sischen Wirtschaft erarbeitete.<\/p>\n<p><strong>Interviewer:\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 In diesem Zeitraum von 1946 bis 1950 entwickelten Sie dann auch ihre Ideen weiter auf denen der Schuman-Plan beruht?<\/p>\n<p><strong>Jean Monnet:\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0 Genau. Ich \u00fcberlegte was n\u00f6tig w\u00e4re, um eine europ\u00e4ische Einigung zu erzielen. Damit trat ich dann an den damaligen franz\u00f6sischen Au\u00dfenminister Robert Schuman heran, der diese auffasste und in dem Schuman-Plan pr\u00e4sentierte.<\/p>\n<p><strong>Interviewer:\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sind Sie eigentlich entt\u00e4uscht dar\u00fcber, dass der Plan nach ihm und nicht nach ihnen benannt wurde?<\/p>\n<p><strong>Jean Monnet:\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0 Nein, \u00fcberhaupt nicht. Schlie\u00dflich haben wir beide dazu beigetragen. Auch wenn er auf meinen Vorstellungen und Ideen beruht, h\u00e4tte ich ohne ihn nie die M\u00f6glichkeit gehabt, diese zu verwirklichen. Daf\u00fcr fehlte mir die Macht eines \u00f6ffentlichen Amtes.<\/p>\n<p><strong>Interviewer:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0 Es kommt also auf das Ergebnis an?<\/p>\n<p><strong>Jean Monnet:\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0 Richtig. Durch den Schuman-Plan kam die Europ\u00e4ische Gemeinschaft f\u00fcr Kohle und Stahl 1952 zustande. Die erste supranationale Organisation in Europa. Dadurch sind wir der europ\u00e4ischen Einigung ein St\u00fcck n\u00e4her gekommen. Aus der EGKS entwickelte sich dann die Europ\u00e4ische Wirtschaftsgemeinschaft, die zum Ziel eine gesamtwirtschaftliche Zusammenarbeit vorsieht.<\/p>\n<p><strong>Interviewer:\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Und was haben Sie jetzt noch vor?<\/p>\n<p><strong>Jean Monnet:\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0 Nat\u00fcrlich weiter an dem europ\u00e4ischen Einigungsprozess arbeiten. Denn der wird niemals abgeschlossen sein.<\/p>\n<p><strong>Interviewer:\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vielen Dank f\u00fcr ihre Zeit und Antworten.<\/p>\n<p><strong>Jean Monnet:\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0 Gerne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jean Monnet starb am 16.M\u00e4rz 1979 in Paris und wurde sp\u00e4ter feierlich in Pariser Panth\u00e9on \u00fcberf\u00fchrt. Aus der Europ\u00e4ischen Wirtschaftsgemeinschaft entwickelte sich dann die Europ\u00e4ische Union. Durch seine Idee und Vorstellung von einem geeinten Europa leben wir heute in der EU, einer Gemeinschaft von Staaten, die sich gegenseitig unterst\u00fctzen und helfen. Daf\u00fcr hat Jean Monnet, Architekt und Vater der Europ\u00e4ischen Einigung, den Grundstein gelegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jean Monnet &#8211; Vater und Architekt der Europ\u00e4ischen Einigung?<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-2364","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-schuelerprojekte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2364","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2364"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2364\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2367,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2364\/revisions\/2367"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2364"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2364"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2364"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}