{"id":27,"date":"2016-02-27T15:33:57","date_gmt":"2016-02-27T15:33:57","guid":{"rendered":"http:\/\/lonews.de\/?p=27"},"modified":"2019-06-04T09:13:50","modified_gmt":"2019-06-04T07:13:50","slug":"gutenbergstrasse-17-muenster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/2016\/02\/27\/gutenbergstrasse-17-muenster\/","title":{"rendered":"Q2-ZK-Geschichte: Die Gutenbergstra\u00dfe 17 in M\u00fcnster"},"content":{"rendered":"<p><strong>Auf Spurensuche im Herzen M\u00fcnsters<\/strong><\/p>\n<p>Die ehemalige Gutenbergwache in M\u00fcnster ist zweifelsohne ein Ort der Geschichte. Das unter Denkmalschutz stehende Haus wurde 1937 von den Nationalsozialisten als Gestapo-Leitstelle f\u00fcr Westfalen genutzt, wodurch das Geb\u00e4ude in dieser Zeit einen Ort der Unterdr\u00fcckung und Verfolgung darstellte. Seit Oktober 2015 wird ein weiteres Kapitel der Gutenbergstra\u00dfe 17 geschrieben. Die Stadt M\u00fcnster hat hier f\u00fcr 110 Fl\u00fcchtlinge eine Unterkunft bereitgestellt und damit ein Zeichen f\u00fcr die Humanit\u00e4t gesetzt.<br \/>\nDie Geschichtstr\u00e4chtigkeit des Geb\u00e4udes hat die Q2-Kurse von Frau Dr. Webbeler und Herrn Hergem\u00f6ller dazu veranlasst, die Vergangenheit dieses Ortes wach zu halten und eine angemessene \u00f6ffentliche Auseinandersetzung mit dem Haus in der Gegenwart zu erm\u00f6glichen. Dazu erarbeiteten sich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler im Vorfeld die historischen Fachkenntnisse \u00fcber die NS-Zeit, machten sich auf den Weg nach M\u00fcnster, um sich mit der Geschichte des Hauses vertraut zu machen, und durchleuchteten im Staatsarchiv bislang unerforschte Dokumente zu den Verbrechen der Gestapo. Nach intensiver Arbeit sind Produkte entstanden, die Euch auf vielf\u00e4ltige Art und Weise einladen, sich mit der Geschichte der Gutenbergstra\u00dfe 17 auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>1 Lokalisierung, Baugeschichte und Nutzung in den ersten Jahren<\/strong><\/p>\n<p><strong>2 Die Gutenbergstra\u00dfe 17 zur Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945)<\/strong><\/p>\n<p>2<strong>.<\/strong>1 Gestapo-Leitstelle<\/p>\n<p>2.2 T\u00e4tigkeitsbereiche der Gestapo in M\u00fcnster<\/p>\n<p>2.2.1 \u00dcberwachung der Bev\u00f6lkerung<\/p>\n<p>2.2.2 Umgang mit Zwangsarbeitern<\/p>\n<p>2.2.3 Umgang mit der regionalen Kirche<\/p>\n<p>2.2.4 Verh\u00f6rmethoden<\/p>\n<p>2.2.5 Umgang mit Juden<\/p>\n<p>2.2.6 Umgang mit Kriegsgefangenen<\/p>\n<p><strong>3 Nutzung des Geb\u00e4udes in der Nachkriegszeit<\/strong><\/p>\n<p>3.1 Polizeiwache<\/p>\n<p>3.2 Fl\u00fcchtlingsunterkunft<\/p>\n<p><strong>4 Quellen- und Literaturverzeichnis<\/strong><\/p>\n<p><strong>1 Lokalisierung, Baugeschichte und <\/strong><strong>Nutzung in den ersten Jahren<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-more-tag mce-wp-more\" title=\"Weiterlesen \u2026\">Die <u><a href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/Gutenbergstra%C3%9Fe+17,+48145+M%C3%BCnster\/@51.9596392,7.6438057,17z\/data=!3m1!4b1!4m2!3m1!1s0x47b9bb20d12c36db:0xc6fd0ae6c95c9439\">Gutenbergstr<\/a>.<\/u> liegt am Hohenzollernring, in der N\u00e4he des Franziskus-Hospitals, im M\u00fcnsteraner Stadtteil Mauritz. Das Geb\u00e4ude in der Gutenbergstra\u00dfe wurde in den Jahren 1911 bis 1912 von dem Architekten Alfred Hensen\u00a0(1869-1931) erbaut. Im Laufe der Zeit wurde dieses Geb\u00e4ude zu unterschiedlichen, teilweise auch gegens\u00e4tzlichen Zwecken genutzt. Die Gutenbergwache wurde in der Zeit der Weimarer Republik\u00a0von der\u00a0Steinbruch-Berufsgenossenschaft\u00a0verwendet, welche f\u00fcr die berufliche, medizinische und soziale Rehabilitation ihrer Mitglieder in Unfalls- und Krankheitsf\u00e4llen verantwortlich war.<\/p>\n<p><strong>2 Die Gutenbergstra\u00dfe 17 zur Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945)<\/strong><\/p>\n<p><strong>2.1 Gestapo Leitstelle<\/strong><\/p>\n<p>Die geheime Staatspolizei, kurz Gestapo, war die politische Polizei der Nationalsozialisten. Verantwortlich f\u00fcr den organisierten Terror und als zentrales Instrument zur Unterdr\u00fcckung, wurde die Gestapo 1933 auf Veranlassung von Hermann G\u00f6ring in Preu\u00dfen gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Die Leitung der Gestapo betraf in den ersten Monaten des NS-Regimes noch die L\u00e4nder. Ab 1934 gelang es jedoch Heinrich Himmler, in allen deutschen L\u00e4ndern Chef der dortigen Gestapo zu werden. Im gleichen Jahr wurde Himmler ebenfalls in Preu\u00dfen zum Inspekteur der Gestapo ernannt. Damit stand der weiteren Entstaatlichung der Gestapo und ihrer Verschmelzung mit der immer m\u00e4chtiger werdenden Schutzstaffel nichts mehr im Wege. Die endg\u00fcltige Ernennung zum Chef der Deutschen Polizei durch Hitler im Juni 1936 schrieb nur noch seine bereits bestehende Herrschaft \u00fcber die Gestapo auf Reichsebene fest. Somit gab es in der Realit\u00e4t keinerlei Trennung zwischen Himmlers Eigenschaften als \u201eReichsf\u00fchrer der SS und Chef der deutschen Polizei\u201c.<\/p>\n<p>Die Aufgabe der Gestapo war es, Gegner der NS-Herrschaft zu verfolgen, zu unterdr\u00fccken und gegebenenfalls zu vernichten. Dabei expandierte sie personell und finanziell innerhalb k\u00fcrzester Zeit: 1933 z\u00e4hlte sie noch 1300 Mitarbeiter, wobei es 1937 schon bereits 7000 waren.<\/p>\n<p>Die Gestapo war trotz ihrer geringen Personalst\u00e4rke ein h\u00f6chst effektiver Terrorapparat. W\u00e4hrend des Weltkrieges verst\u00e4rkte die Gestapo ihren Terror noch und organisierte zudem die Verschleppung der europ\u00e4ischen Juden in die Konzentrations- und Vernichtungslager und ermordete selbst Millionen von Menschen.<\/p>\n<p><strong>2.2 T\u00e4tigkeitsbereiche der Gestapo in M\u00fcnster<\/strong><\/p>\n<p><strong>2.2.1 <\/strong><strong>\u00dcberwachung der Bev\u00f6lkerung<\/strong><\/p>\n<p>Eine Hauptaufgabe der Gestapo war die \u00dcberwachung der Bev\u00f6lkerung. Dazu geh\u00f6rte auch, sich ein Bild der Meinungen in der Bev\u00f6lkerung zu dem Kurs der Politiker, insbesondere Adolf Hitlers, zu machen. Eine Methode war zum Beispiel, dass sich Gestapo Mitglieder \u201ein Zivil\u201c auf die Stra\u00dfen begaben, um die Menschen schlicht und einfach nach ihrer Meinung zu fragen. Wenn die entsprechenden Personen dann nicht so dachten, wie es die Politiker gerne wollten, wurden diese Personen von der Gestapo festgenommen.<\/p>\n<p>Diese so gefundenen Daten nutzten die Politiker, um herauszufinden, welchen R\u00fcckhalt und welche Zustimmung sie seitens ihres Volkes zu ihrem aktuellen politischen Kurs bekamen.<\/p>\n<p>In den Akten der Gestapo in M\u00fcnster konnte man Informationen dazu finden, dass in den Jahren 1935 und 1936 monatlich zwischen 60 und 70 Personen festgenommen, jedoch auch ungef\u00e4hr so viele wieder freigelassen wurden. Daher liegt die Annahme nahe, dass die Personen festgenommen, verh\u00f6rt und dann anschlie\u00dfend wieder freigelassen wurden.<\/p>\n<p>Zudem wurden Steckbriefe erstellt, die dann in eine sogenannte \u201eFahndungsliste\u201c eingef\u00fcgt wurde. Die Personen, die in dieser Liste aufgef\u00fchrt waren, wurden ausspioniert. Zum gr\u00f6\u00dften Teil waren darin Mitglieder damaliger illegaler Organisationen. Dazu z\u00e4hlten kommunistische Organisationen wie die <u>KPD<\/u>, allerdings auch Organisationen wie die <u>SPD<\/u>. In diesen Steckbriefen wurde detailliert beschrieben, warum die betreffenden Personen observiert wurden. Allerdings enthielten sie keine Bilder der Personen. Daf\u00fcr wurde das Aussehen sehr ausf\u00fchrlich beschrieben, unter anderem Ohren- und Nasenform.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Allerdings war die \u00dcberwachung von Personen, die als staatsgef\u00e4hrdend eingestuft wurden, nicht der einzige T\u00e4tigkeitsbereich der Gestapo. Ebenfalls wichtig war die \u00dcberwachung der Wirtschaft. Zum Beispiel wurde detailliert beschrieben, wie sich die Forstwirtschaft entwickelt hat und aus welchen Gr\u00fcnden dies geschehen ist. Au\u00dferdem wurden Vorschl\u00e4ge gemacht, wie die Motivation der Arbeiter durch politische Ma\u00dfnahmen erh\u00f6ht werden k\u00f6nnten.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> In einer Akte wurden beispielsweise Klagen der Bev\u00f6lkerung \u00fcber zu wenig Lohn, der in keinem Verh\u00e4ltnis zu den Lebenserhaltungskosten stehe, behandelt.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p><strong>2.2.2 Umgang mit Zwangsarbeitern<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><strong>[4]<\/strong><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Die Gestapo-Wachm\u00e4nner mussten folgende Wachordnung befolgen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Zwangsarbeiter mussten von deutscher Bev\u00f6lkerung, ausl\u00e4ndischen Arbeitern und allen Kriegsgefangenen abgesondert in Lagern leben. Die Lager durften nur in Begleitung des Wachpersonals zur Arbeit verlassen werden.<\/li>\n<li>Die russischen Arbeiter mussten folgendes Kennzeichen tragen, um als solche erkannt zu werden.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Der Umgang mit folgenden Arbeitskr\u00e4ften war russischen Arbeitern untersagt:<\/li>\n<\/ul>\n<ol>\n<li>Deutsche Staatsb\u00fcrger<\/li>\n<li>Andere ausl\u00e4ndische Arbeiter<\/li>\n<\/ol>\n<p>Missachtung wurde mit Freiheitsentzug oder Todesstrafe geahndet.<\/p>\n<ul>\n<li>Zwangsarbeiter durften zu keiner Zeit unbeaufsichtigt sein.<\/li>\n<li>Das Wachpersonal musste russischen Arbeitskr\u00e4ften gegen\u00fcber zur\u00fcckhaltend und ruhig sein. Es duften weder unn\u00f6tige Gespr\u00e4che gef\u00fchrt werden, noch durften Ungerechtigkeit oder Bevorzugung ausge\u00fcbt werden.<\/li>\n<li>Bei Widersetzlichkeit oder Ungehorsam sollten Waffen gebraucht werden. Fliehende durften sofort erschossen werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>2.2.3 <\/strong><strong>\u00dcberwachung der Kirche<\/strong><\/p>\n<p>Die Kirche wurde zur Zeit des Nationalsozialismus als klarer Gegner der Regierung gesehen. Dies l\u00e4sst sich an zwei Bespielen deutlich machen:<\/p>\n<ol>\n<li>Im Kreis Borken wurde im Juni 1935 der Altar der Katholischen Kirche mit Kot beschmiert. Herr M. gab die Tat bei der Gestapo zu, um sie nach einem Gespr\u00e4ch mit Kanonikus E. wieder zu revidieren. E. wurde beschuldigt, M. zu dieser Revidierung des Gest\u00e4ndnisses beeinflusst und gleichzeitig in der \u00d6ffentlichkeit verbreitet zu haben, M.s Gest\u00e4ndnis k\u00e4me nur unter dem Druck der geheimen Staatspolizei zustande. E. wurde von der Gestapo als \u201eHetzer\u201c bezeichnet, konnte jedoch durch die bis dato geschehenen Vorg\u00e4nge nicht durch diese Bestraft werden.<\/li>\n<li>Der Bezirkssekret\u00e4r der katholische Arbeitervereine J.\u00a0J. wurde im Juli 1935 mit einer Aktentasche mit belastenden Materialien festgenommen. In diesen Dokumenten befanden sich Schriftverkehre mit f\u00fchrenden Pers\u00f6nlichkeiten der kath. Arbeitervereine, welche zum Austritt aus der deutschen Arbeiterfront\u00a0riefen. Vertraute sollten von Haus zu Haus gehen, um Hetze gegen die Arbeiterfront zu organisieren und deren Ziele zu vereiteln. Durch dieses \u201estaatsfeindliche\u201c Handeln wurden viele weitere katholische Arbeitervereine aufgel\u00f6st.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>2.2.4 Verh\u00f6rmethoden<\/strong><\/p>\n<p>Die Gestapo verwendete verschiedene Mittel und Wege, um Aussagen zu erzwingen, wie man am Beispiel des Gestapo-Kriminalsekret\u00e4rs E. D. aus M\u00fcnster nachweisen kann. Dabei wurden nicht in jedem Fall die bestehenden Gesetze und Vorschriften geachtet.<\/p>\n<p>Unter anderem t\u00e4uschte er seine Opfer, indem er von ihnen mithilfe von Hinterlist, L\u00fcgen und Schmeicheleien Aussagen erzwingen wollte. Nach anfangs noch freundlichem Ton w\u00e4hrend der Verh\u00f6re, setzte er auf Mittel der Angsteinfl\u00f6\u00dfung. Indem er seine Waffe offen auf den Tisch legte oder den Zeugen mit Gewalt, Strafzahlungen oder der Einlieferung in ein Konzentrationslager drohte, wollte er Aussagen gegen Dritte, Eigengest\u00e4ndnisse oder eine Bekennung zum F\u00fchrer erzwingen. In einem Fall versuchte E. D. auch, eine Zeugin davon zu \u00fcberzeugen, als Gestapo-Spitzel gegen das Generalvikariat\u00a0zu ermitteln.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Die sp\u00e4teren Prozesszeugen wurden von ihm beschimpft und ihre Aussagen, ohne empirische Belege dagegen vorlegen zu k\u00f6nnen, f\u00fcr unglaubw\u00fcrdig erkl\u00e4rt, wenn diese Aussagen nicht seinen Vorstellungen entsprachen. Die meist willk\u00fcrlichen Vorw\u00fcrfe basierten dabei h\u00e4ufig auf gef\u00e4lschten Beweisen. <a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Auf Basis solcher fiktiven Vorw\u00fcrfe wurden Menschen in Gewahrsam genommen oder ihre Inhaftierung verl\u00e4ngert, obwohl der Gestapo keine offizielle Berechtigung erteilt worden war. Die Bedingungen der Haft waren h\u00e4ufig nicht menschw\u00fcrdig und die Versorgung der H\u00e4ftlinge teilweise nicht ausreichend. Ebenso grundlos wurden auch Hausdurchsuchungen durchgef\u00fchrt, um belastendes Material zu erlangen. Es liegen Aufzeichnungen vor, aus denen hervorgeht, dass Eltern junger Kinder gefangen genommen und ihre Kinder in ein Erziehungslager der Hitlerjugend\u00a0geschickt wurden, da in der Wohnung keine Hitlerbilder hingen und die Kinder nicht nach der nationalsozialistischen Ideologie erzogen wurden.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>2.2.5 Umgang mit Juden<\/strong><\/p>\n<p>Ab 1938 spitzt sich die Lage in Deutschland zu. Nach der Reichskristallnacht \u00e4u\u00dfert sich Hitler Anfang 1939 in aller Deutlichkeit zur Endl\u00f6sung der Judenfrage und k\u00fcndigt im Falle eines Weltkrieges die \u201eVernichtung der j\u00fcdischen Rasse in Europa\u201c an. Im September deselben Jahres \u00fcberf\u00e4llt das Deutsche Reich Polen und startet mit dem \u201eEuthanasieprogamm\u201c.<\/p>\n<p>Auch im M\u00fcnsterland spitzte sich die Lage zu. Dokumente der Gestapoleitstelle M\u00fcnster, die den Umgang mit Juden betreffen, sind im Besitz der Stadt M\u00fcnster und im Staatsarchiv einsehbar. Mit ihnen lassen sich genaue Daten, Personen und Anweisungen r\u00fcckverfolgen.<\/p>\n<p>Am 22.September 1939 erreichte die Gestapoleitstelle ein Schreiben der Kreisverwaltung L\u00fcdinghausen, der Betreff \u201eEinziehung der Rundfunkapparate von Juden\u201c. Dabei handelt es sich um eine Erweiterung der <u>Verordnung \u00fcber au\u00dferordentliche Rundfunkma\u00dfnahmen<\/u> vom 1. September 1939. Von nun an ist es j\u00fcdischen B\u00fcrgern untersagt eigene Rundfunkapparate zu besitzen. Ebenfalls galt dieses auch f\u00fcr Arier die mit Juden zusammenlebten und eigene Apparate besa\u00dfen. Es sei davon auszugehen, dass Juden diese weiterhin mitbenutzen w\u00fcrden. Sonderantr\u00e4ge konnten gestellt werden. Sichergestellte Apparate mussten dokumentiert und gekennzeichnet werden.<\/p>\n<p>Nachdem am 12. September 1939 die Zuweisung von besonderen Gesch\u00e4ften zum Ankauf von Lebensmitteln f\u00fcr Juden durchgesetzt wurde, wurde auch die Gestapoleitstelle M\u00fcnster am 18. September von der Kreisverwaltung L\u00fcdinghausen veranlasst, diese Zuweisungen vorzunehmen. J\u00fcdischen B\u00fcrgern war es nur noch in ausgew\u00e4hlten L\u00e4den erlaubt, zu einer bestimmten Uhrzeit einzukaufen. J\u00fcdische Gesch\u00e4ftsinhaber mussten ihre Unternehmen an arische Nachfolger \u00fcbergeben. Zudem sollten Hausdurchsuchungen durchgef\u00fchrt werden, um \u201eHamsterk\u00e4ufe\u201c sicherzustellen. Jeder Jude erhielt eine eigene <u>Zuweisung<\/u>.<\/p>\n<p>Vom 24. November 1939 liegen konkrete Anordnungen vor, die mit dem Betreff \u201eAnordnungen gegen Juden\u201c, unter anderem die Ausgangssperre der Juden nach 16.00 Uhr festlegt. Au\u00dferdem ist es j\u00fcdischen B\u00fcrgern im Kreis L\u00fcdinghausen ab dem nicht gestattet ihren Wohnort ohne Meldung bei der Ortspolizei zu verlassen.<\/p>\n<p>Nachweislich sollten alle Juden am 13.12.1941 nach Riga deportiert werden. Um die, besch\u00f6nigt als Evakuierungen bezeichneten, Deportationen durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, wurde das Verm\u00f6gen von Juden ab dem 15.10.1941 staatspolizeilich beschlagnahmt. J\u00fcdische B\u00fcrger mussten vorher Verm\u00f6genserkl\u00e4rungen ausf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Zu den mitzunehmenden Gegenst\u00e4nden geh\u00f6rten unter anderem 50 RM. Diese mussten in M\u00fcnster den Transportf\u00fchrer \u00fcbergeben werden. Des Weiteren durften kleine Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nde, Kleidung, Bettzeug, Verpflegung f\u00fcr 3 Wochen sowie Essgeschirr mitgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Wertpapiere, Wertgegenst\u00e4nde oder Bargeld waren den zu evakuierenden Juden jedoch untersagt mitzunehmen; auch die Lebensmittelkarten waren abzugeben. Am Abreisetag wurden Gas und Wasser abgestellt und die Wohnungen plombiert. Die Juden mussten im Laufe des Vormittags des 11.12.1941 in M\u00fcnster \u00fcbergeben werden.<\/p>\n<p><u>\u00a0<\/u><\/p>\n<p><strong>2.2.6 Umgang mit Kriegsgefangen<\/strong><\/p>\n<p>In der Zeit des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zweiter_Weltkrieg\">Zweiten Weltkriegs<\/a> wurde die Gutenbergwache genutzt, um die Kriegsgefangenen von einem zentralen Ort aus zu deportieren. Die Kriegsgefangenen wurden von einem SS-F\u00fchrer und vier bis sechs SS-Mitgliedern an verschiedene Staatslager geliefert.<\/p>\n<p>Herr E. F. war ein fr\u00fcherer Kriminalkommissar und SS-Obersturmf\u00fchrer der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geheime_Staatspolizei\">Gestapo<\/a> M\u00fcnster in der Zeit des Nationalsozialismus und wurde wegen der Beihilfe zum Mord an russischen Kriegsgefangenen in den Jahren 1941 bis 1943 angeklagt.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Zu den Kriegsgefangenen z\u00e4hlten prim\u00e4r Juden, Volkskommissare sowie Berufsrevolution\u00e4re. Denn \u201eder Bolschewismus war der Todfeind des nationalsozialistischen Deutschlands\u201c <a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a>. Die Kriegsgefangenen wurden nach politisch unerw\u00fcnscht und politisch ungef\u00e4hrlich sortiert. \u00dcber die politisch Unerw\u00fcnschten entschied die Gestapo zusammen mit dem Sicherheitsdienst des Staatslagers. Au\u00dferdem wurden sie teilweise auch nach dem Aussehen ausgesondert. Falls einer der russischen Gefangenen bei dem zweiten Fluchtversuch erwischt wurde, wurde dieser in H\u00f6rde erschossen.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Laut seiner Aussage wurden, wegen der Aktion &#8222;Zeppelin&#8220;, die Kriegsgefangenen in ein Schulungslager in Schlesien gebracht. 200 bis 300 nicht kooperationsbereite H\u00e4ftlinge kamen in das Konzentrationslager Buchenwald. Zus\u00e4tzlich wurden weitere Kriegsgefangene an das Staatslager Truppen\u00fcbungsplatz Senne geliefert zum Zwecke ihrer T\u00f6tung. <a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Trotz zahlreicher Ermittlungen wurde Herr E. F. freigesprochen, da keine belastenden Zeugenaussagen vorhanden waren. Lediglich eine Aussage wirkte belastend, jedoch wurde das Verfahren gegen Herrn E. F. eingestellt und gegen Herrn B., welcher die Aussage gab, in Hamm gestartet. <a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p><strong>3 Nutzung des Geb\u00e4udes in der Nachkriegszeit<\/strong><\/p>\n<p><strong>3.1 Polizeiwache<\/strong><\/p>\n<p>Nach Kriegsende bezogen britisches Milit\u00e4rtruppen und die deutsche Polizei das Geb\u00e4ude. Seit 1968 bis zum 3.12.2014 diente M\u00fcnsters \u00e4lteste Polizeiwache als F\u00fchrungsstelle und Wach- und Ermittlungsdienst. Die neue Polizeistelle befindet sich nun in der Moltkestra\u00dfe 18. Diese bietet hellere R\u00e4ume, bessere Parkm\u00f6glichkeiten sowie eine zentrale Lage. In der Gutenbergstra\u00dfe blockierten die Einsatzfahrzeuge nicht nur alle Parkpl\u00e4tze in der Stra\u00dfe, sondern auch den gegen\u00fcberliegenden Pausenhof der Bodelschwinghschule. Zun\u00e4chst war ein Verkauf der Villa an der Gutenbergstra\u00dfe geplant. Zurzeit aber dient sie als Fl\u00fcchtlingsunterkunft.<\/p>\n<p><strong>3.2 Fl\u00fcchtlingsunterkunft<\/strong><\/p>\n<p>Die Gutenbergwache bietet heutzutage Platz f\u00fcr bis zu 110 Fl\u00fcchtlinge, obwohl dieser Ort acht Jahre lang f\u00fcr Inhumanit\u00e4t, Rassismus und Unterdr\u00fcckung von Menschen stand. Mittlerweile setzt das Haus aber ein starkes Zeichen f\u00fcr Humanit\u00e4t<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a>. Seit dem Oktober 2015 beziehen zahlreiche Kriegsfl\u00fcchtlinge aus dem Irak und Syrien das Haus, welche vor dem Terror des Islamischen Staats fliehen. Diesen wird nun ein reichliches Angebot von Mitteln zur Integration angeboten, wie Sprachkurse oder sportliche Aktivit\u00e4ten. <a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>4 Quellen und Literaturverzeichnis:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n<p>Akten des Staatsarchivs M\u00fcnster betreffend die Politische Polizei III. Reich, Nr. 147, 364, 371, 436, 438, 439, 489, 499, 504.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>WN-Artikel zur Gutenbergwache I:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wn.de\/Muenster\/2124201-Muenster-Fluechtlinge-ziehen-in-alte-Polizei\">http:\/\/www.wn.de\/Muenster\/2124201-Muenster-Fluechtlinge-ziehen-in-alte-Polizei<\/a>; Stand: 27.2.2016.<\/p>\n<p>WN Artikel zur Gutenbergwache II:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wn.de\/Muenster\/2158692-Fluechtlingsunterkunft-Gutenbergstrasse-Welle-der-Hilfsbereitschaft-ungebrochen\">http:\/\/www.wn.de\/Muenster\/2158692-Fluechtlingsunterkunft-Gutenbergstrasse-Welle-der-Hilfsbereitschaft-ungebrochen<\/a>; Stand: 27.2.2016.<\/p>\n<p>Wehler, U., Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, M\u00fcnchen 2014.<\/p>\n<p>Benz, W., Geschichte des Dritten Reiches, M\u00fcnchen 2000.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Fu\u00dfnoten:<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. Politische Polizei III. Reich, Anr. 371, Staatsarchiv M\u00fcnster.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. ebd., Anr. 438.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. ebd. Anr. 439.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. ebd., Anr. 364.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. ebd. Anr. 436.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl., ebd. Anr. 147.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> vgl. ebd. Anr.499.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> vgl. ebd., Anr. 489.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> vgl. ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Vgl., ebd. Anr. 499.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> vgl. ebd. Anr. 504.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> vgl.: <a href=\"http:\/\/www.wn.de\/Muenster\/2124201-Muenster-Fluechtlinge-ziehen-in-alte-Polizei\">http:\/\/www.wn.de\/Muenster\/2124201-Muenster-Fluechtlinge-ziehen-in-alte-Polizei<\/a>; Stand: 27.2.2016.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> vgl.: <a href=\"http:\/\/www.wn.de\/Muenster\/2158692-Fluechtlingsunterkunft-Gutenbergstrasse-Welle-der-Hilfsbereitschaft-ungebrochen\">http:\/\/www.wn.de\/Muenster\/2158692-Fluechtlingsunterkunft-Gutenbergstrasse-Welle-der-Hilfsbereitschaft-ungebrochen<\/a>; Stand 27.2.2016.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Spurensuche im Herzen M\u00fcnsters Die ehemalige Gutenbergwache in M\u00fcnster ist zweifelsohne ein Ort der Geschichte. Das unter Denkmalschutz stehende Haus wurde 1937 von den Nationalsozialisten als Gestapo-Leitstelle f\u00fcr Westfalen<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[15,16,17],"class_list":["post-27","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-schuelerprojekte","tag-geschichte","tag-muenster","tag-projekte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3372,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27\/revisions\/3372"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}