{"id":5003,"date":"2021-02-22T06:05:58","date_gmt":"2021-02-22T05:05:58","guid":{"rendered":"https:\/\/lonews.de\/?p=5003"},"modified":"2021-02-23T13:25:17","modified_gmt":"2021-02-23T12:25:17","slug":"hoffentlich-ist-der-krieg-bald-zu-ende-zeitzeugin-anna-preckel-ueber-ostbevern-in-den-letzten-kriegstagen-45","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/2021\/02\/22\/hoffentlich-ist-der-krieg-bald-zu-ende-zeitzeugin-anna-preckel-ueber-ostbevern-in-den-letzten-kriegstagen-45\/","title":{"rendered":"&#8222;Hoffentlich ist der Krieg bald zu Ende!&#8220; Zeitzeugin Anna Preckel \u00fcber Ostbevern in den letzten Kriegstagen &#8217;45"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigentlich sollte November letzten Jahres an der Loburg ein Zeitzeugengespr\u00e4ch mit Anna Preckel stattfinden. Das Thema des Gespr\u00e4chs sollten die letzten Kriegstage in der Gemeinde Ostbevern sein. Aufgrund der Corona-Pandemie musste diese interessante Veranstaltung leider ausfallen. Aber dies ist nicht das Einzige, was in diesem Zuge abgesagt werden musste. Die Bili- Prep- AG hat eine Ausstellung zu dem Thema Holocaust vorbereitet. Diese besteht aus Plakaten, die \u00fcber das Schulgel\u00e4nde verteilt sind und veranschaulichen, welche Folgen der Holocaust auch f\u00fcr Unbeteiligte hatte. Thematisiert werden die Geschichten von verschiedenen Menschen.Die LoNews haben trotzdem Wege gefunden, euch von Frau Preckels Wissen \u00fcber dieses Thema zu berichten. Wir haben online ein Interview mit Frau Preckel durchgef\u00fchrt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Besonders heftig waren in Ostbevern die letzten Kriegstage. Wie war unsere Gemeinde in den Krieg verwickelt und warum hatten in Ostbevern die letzten Kriegstage eine so gro\u00dfe Bedeutung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Nach der Einnahme von M\u00fcnster durch die Truppen der Westm\u00e4chte war die Beverniederung nach Osten hin der einzige R\u00fcckzugsweg aller deutschen Verb\u00e4nde in diesem Raum. Diese Fluchtm\u00f6glichkeit wurde jedoch am zweiten Ostertag (02. April 1945) von einer amerikanischen Einheit abgeschnitten. Diese Einheit war w\u00e4hrend der K\u00e4mpfe in M\u00fcnster n\u00f6rdlich und s\u00fcdlich der Stadt vorbeimarschiert und bewegte sich aus Richtung Greven auf Ostbevern zu. Und hier stie\u00dfen diese Truppen auf deutsche Gegenwehr, die sich in Ostbevern verschanzt hatten oder sich im R\u00fcckzug dort noch aufhielten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Dorf wurde bereits vor den gro\u00dfen Schlachten, die &nbsp;am 2. April gegen 22 Uhr stattfanden, den Amerikanern offiziell \u00fcbergeben. Warum wurde dennoch so erbittert gek\u00e4mpft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Amtsrentmeister Reckermann hatte am 02. April, 22.00 Uhr in Vertretung des fl\u00fcchtigen Amtsb\u00fcrgermeister Haase die wei\u00dfe Flagge gehisst und die Versicherung abgegeben, dass keine deutschen Soldaten mehr im Ort seien. Der Krieg schien f\u00fcr Ostbevern zu Ende zu sein. Dies war jedoch ein Trugschluss und ein gro\u00dfer Irrtum. Nachts passierten jedoch weiter deutsche Truppen den Ort und quartierten sich in der Volksschule ein. Obwohl sie von den Bewohnern darauf aufmerksam gemacht wurden, dass Ostbevern bereits besetzt sei, wollten sie nicht aufgeben und den Durchbruch erzwingen und trafen nun auf US- Panzer. Es entwickelte sich am folgenden Morgen ein verh\u00e4ngnisvoller Stra\u00dfenkampf. Mehrere Geb\u00e4ude wurden zum Teil schwer besch\u00e4digt. Auch im Lehmbrock wurde gek\u00e4mpft. \u00dcber die Reichsstra\u00dfe nach Telgte rollten die amerikanischen Einheiten auf das Dorf zu. Am Abend brachen wiederum K\u00e4mpfe aus, die sich in die Nacht und bis zum Morgen hinzogen &#8211; bekannt als die \u201eNacht von Ostbevern\u201c. Den Bewohnern bot sich am Morgen ein w\u00fcstes Bild. Zieht man eine Bilanz dieser letzten Kriegstage: 25 gefallene deutsche Soldaten, zwei tote Ungarn, 31 Verwundete, auf der anderen Seite: zwei gefallene US-Soldaten und acht Verwundete. Hinzu kamen zwei tote Zivilisten aus Ostbevern .<\/em>.. <em>Und dies alles, obwohl die wei\u00dfe Flagge gehisst war. Die Order der deutschen Milit\u00e4rs war: \u201eWir geben nicht auf, es wird gek\u00e4mpft bis zum letzten Mann.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie haben die Bewohner Ostbeverns reagiert, als Sie geh\u00f6rt haben, dass die Westm\u00e4chte zum letzten gro\u00dfen Schlag ansetzten und die n\u00e4chsten Tage wieder besonders gef\u00e4hrlich w\u00fcrden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wir alle hatten die Hoffnung, dass der Krieg bald zu Ende gehen muss.&nbsp; Wir wollten auch keinen Widerstand leisten, aber die deutschen Soldaten, die sich im Ort aufhielten, wollten (oder besser gesagt durften) nicht aufgeben. Auch der Ortsgruppenleiter ordnete Gegenma\u00dfnahmen an u. a. Panzersperren zu errichten. Die Angeh\u00f6rigen des Volkssturmes f\u00fchrten jedoch die Arbeiten sehr widerwillig aus, weil sie eben diese Verteidigungsma\u00dfnahmen f\u00fcr sinnlos erachteten. So war z. B. die Meinung eines Ostbeveraners: \u201eWenn von der Normandie bis hierher viele breite Str\u00f6me den Feind nicht aufgehalten h\u00e4tten, so w\u00fcrde er die schmale Bever auch wohl&nbsp; \u00fcberwinden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie wollte sich das Dorf gegen die Angriffe sch\u00fctzen? Welche Ma\u00dfnahmen wurden ergriffen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ostbevern hatte eine Vielzahl an Ma\u00dfnahmen ergriffen. An der Beverbr\u00fccke wurde von Volkssturmm\u00e4nnern eine Panzersperre errichtet, deutsche Kanoniere bauten am Dorfausgang nach Telgte Gesch\u00fctze auf, es wurde auch ein Flakgesch\u00fctz am M\u00fchlenweg und an der Rochuskapelle aufgebaut. Weitere Panzerabwehrkanonen wurden im Ort in Stellung gebracht. Am Ostersonntag, wurden die Gesch\u00fctze wieder abgezogen, sp\u00e4ter jedoch wieder besetzt. Zus\u00e4tzlich richteten sich zur\u00fcckziehenden Milit\u00e4reinheiten an verschiedenen Stellen in den Bauerschaften auf den Kampf ein. Insgesamt gab es aber bei der deutschen Truppe enorme Aufl\u00f6sungserscheinungen. All diese Abwehraktivit\u00e4ten fanden in der breiten Bev\u00f6lkerung keine Zustimmung.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie haben sich die B\u00fcrger gegen die K\u00e4mpfe gesch\u00fctzt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Viele Familien verlie\u00dfen das Dorf und quartierten sich in der Bauerschaft ein, w\u00e4hrend der K\u00e4mpfe versteckten sich sehr viele im Keller.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>In den letzten Kriegstagen passierten viele Gefangenentransporte das Dorf. Was l\u00f6ste diese Transporte aus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ab 25. M\u00e4rz 1945 k\u00fcndigte sich das N\u00e4herkommen der Front aus dem Westen an. Auch verst\u00e4rkte sich der Luftkrieg. Um die Gefangenen nicht in die H\u00e4nde des heranr\u00fcckenden Feindes fallen zu lassen wurden Gefangenentransporte und Truppentransporte nach Osten zusammengestellt, die aus dem Westm\u00fcnsterland kamen. Sie mussten alle in Richtung Osten Ostbevern passieren und verstopften die Stra\u00dfen des Ortes. Es war eine eilige Flucht vor den heranr\u00fcckenden Westm\u00e4chten. Auch die in Ostbevern befindlichen franz\u00f6sischen, jugoslawischen und sowjetischen Kriegsgefangenen schlossen sich diesen endlosen Menschenschlangen an. Auch sonderten sich Gefangene von den Menschenschlangen wieder ab. Eine \u00dcbersicht in dem allgemeinen Durcheinander besa\u00df niemand mehr. Die Aufl\u00f6sungserscheinungen der staatlichen Ordnung waren an jeder Stelle klar ersichtlich. Es herrschte regelrecht Chaos.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>H\u00e4tte Ostbevern Ihrer Meinung nach etwas besser machen k\u00f6nnen, um den Krieg mit weniger Verlusten zu \u00fcberstehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ja jedenfalls, keine K\u00e4mpfe mehr im Ort zuzulassen und den Ort widerstandslos zu \u00fcbergeben. Dies ist aus der heutigen Warte leicht zu sagen. Man war immer in Lebensgefahr und wir hatten h\u00f6llische Angst.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Inwieweit hat die Erfahrung des Krieges Ihr sp\u00e4teres Leben und Ihr Handeln und Denken auch nach Ende des Krieges noch beeinflusst?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wer Schlimmes und Schreckliches erlebt und Todesangst hatte, wird dies sein Leben lang nicht vergessen und sich immer daran erinnern. Der Krieg und die st\u00e4ndige Angst war das Schlimmste was mir in meinem langen Leben als heute 93-J\u00e4hrige passierte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Warum meinen Sie, sollte man auch heute noch \u00fcber den Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen nachdenken?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ich f\u00fchre mir immer vor Augen, wie schrecklich dieser Zweite Weltkrieg war. Unsere Jugend wei\u00df gar nicht, dass in diesem Krieg Franzosen und Engl\u00e4nder mal unsere Feinde waren und welch schrecklichen Krieg wir gegen diese Menschen gef\u00fchrt haben. Bitte f\u00fchrt keine Kriege mehr.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wenn Sie der Zeit der letzten Kriegstage und Ihrer Bedeutung f\u00fcr Sie spontan einen Filmtitel geben m\u00fcssten, wie w\u00fcrde dieser lauten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Hoffentlich ist der Krieg bald zu Ende!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich sollte November letzten Jahres an der Loburg ein Zeitzeugengespr\u00e4ch mit Anna Preckel stattfinden. Das Thema des Gespr\u00e4chs sollten die letzten Kriegstage in der Gemeinde Ostbevern sein. Aufgrund der Corona-Pandemie<\/p>\n","protected":false},"author":48,"featured_media":5178,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-5003","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-veranstaltungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5003","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5003"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5003\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5189,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5003\/revisions\/5189"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5178"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5003"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5003"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lonews.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5003"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}