„Das Crazy, Digga!“ – unangemessene Jugendsprache?
Einige Personen sind der Meinung, dass „die Schülerinnen und Schüler des Weiteren die formelle deutsche Sprache nutzen sollten“ und dass „unsere Schule von den sozialen Medien in hohem Maße beeinflusst wird“. Aber stimmt das wirklich? Mit unserer Umfrage wollen wir Licht ins Dunkel bringen.
Die Umfrage wurde von 150 Schülerinnen und Schülern beantwortet und zeigt uns, wie Jugendwörter im Alltag genutzt werden und die Jugendlichen selbst ihren Sprachgebrauch sehen. Schon beim ersten Blick auf die Antworten fällt auf , wie vielfältig die Jugendsprache ist. Begriffe wie „67“, „Lowkey“, „Tuff“, „Das Crazy“, „Digga“ oder „Ragebait“ wurden besonders häufig genannt. Andere Wörter erscheinen nur ein einziges Mal. Diese Vielfalt zeigt, dass Jugendkultur nicht aus einem Sprachstil besteht, sondern aus vielen kleinen Trends, die sich ständig ändern.
Während viele Teilnehmende einfach nur ihre zwei meistgenutzten Wörter beitrugen, nutzten einige die Möglichkeit, kurze Kommentare zu hinterlassen. Diese reichten von humorvollen Ergänzungen bis hin zu kritischen Stimmen, die kritisierten, wie die sozialen Medien Einfluss auf die Sprache nehmen. Besonders auffällig ist jedoch, dass nur eine einzige Person ausdrücklich forderte, dass die Schüler wieder formeller sprechen sollten. In einigen Einträgen wird auch deutlich, dass Jugendliche sehr wohl zwischen verschiedenen Sprachsituationen unterscheiden. Formelle Sprache wird in Präsentationen, Klassenarbeiten oder offiziellen Texten genutzt und Jugendwörter vor allem im Freundeskreis oder in Chats. Ein Kommentar bringt es auf den Punkt: „67 und lowkey halt auch, aber nicht so oft. Jugendliche entscheiden also bewusst, wie sie sprechen und dass Jugendwörter nicht automatisch bedeuten, dass jemand die Standardsprache nicht beherrscht.
Die Auswertung macht außerdem sichtbar, wie stark Trends durch soziale Medien geprägt werden. Wörter wie „Ragebait“, „Aura“, „Mainy“ oder „Tweaken“ stammen aus TikTok‑Clips, Memes oder Rap‑Lyrics und verbreiten sich rasend schnell. Doch genau das ist kein neues Phänomen: Schon frühere Generationen hatten ihre eigenen Jugendwörter, nur verbreiteten sie sich damals langsamer. Heute entstehen Trends innerhalb weniger Stunden, verschwinden wieder und machen Platz für neue Ausdrücke..
In unserer Umfrage setzen sich drei Jugendwörter besonders deutlich an die Spitze: 67, Lowkey und Tuff. Diese Begriffe wurden am meisten angegeben und prägen damit den aktuellen Sprachgebrauch an unserer Schule. 67 war mit Abstand der häufigste Begriff. Viele nutzen es als eine Art Insiderwitz oder als nichts sagende Reaktion. Lowkey wurde ebenfalls sehr oft genannt und beschreibt entspricht mehr oder weniger der Bedeutung von ,,tatsächlich“ oder „wirklich“. Tuff schließlich wird genutzt, um etwas Cooles, Beeindruckendes oder Schwieriges zu beschreiben. Es ist ein vielseitiges Wort, das sowohl positiv als auch leicht herausfordernd gemeint sein kann.
Die Jugendlichen nutzen Jugendwörter kreativ, humorvoll und situationsabhängig. Gleichzeitig beherrschen sie die formelle Sprache, wenn sie gebraucht wird. Die Sorge, soziale Medien würden die Sprache dauerhaft „verschlechtern“, lässt sich anhand der Daten nicht bestätigen. Vielmehr zeigt sich, dass Sprache ein lebendiger Teil der Jugendkultur ist und dass sie sich ständig weiterentwickelt, so wie jede Generation vor uns.
